«Je ne veux pas gagner ma vie, je l’ai.» Boris Vian, L'écume des jours

3/19/2011

mann oder frau? oder beides?

Was genau ist typisch Frau und was typisch Mann? In der Öffentlichkeit scheint das noch (mehr oder weniger) klar bestimmt zu sein, in der Mode hingegen verschwimmen die Grenzen da schneller. Andererseits wird auch die Wiederkehr des angeblich Männliche gefeiert, der Mann mit Bart und nicht mit Jünglingsgesicht. Frauen treten androgyn auf, Männermodels sahen lange Zeit, besonders hervorgerufen durch die Ästhetik des amerikanischen Fotografen Hedi Slimane, wie 15, aus jetzt kommt der "echte" Mann wieder, mit viel behaarten Models und, bei Yohji Yamamot schon seit längerem, Männern weit über 50. Und schließlich, der neueste Coup: Männer, die die Frauenrolle übernehmen und zwar so authentisch, dass eine genaue Geschlechterdefinition kaum noch möglich ist. 
Vor einiger Zeit wurde er groß im Zeit-Magazin gefeiert, der man, der beides kann. Das australisch-bosnische Model Andrej Pejic wird sowohl für Frauen-, als auch für Männerkollektionen gebucht und von allen euphorisch gefeiert. Er selbst sagt dazu, dass er beides sei: "Manchmal eher männlich und manchmal eher weiblich. Viele finden mich zurzeit sicher eher feminin, aber ich bin beides." Das ist der Punkt, der Pejic wohl von ähnlichen Phänomen-Models unterscheidet. Meist sind dies Männer, die sich entscheiden, Frauen zu werden, wie das Model Léa T (vorher Leo). Pejic aber will definitiv beides repräsentieren.
Pejic selbst wirkt mir in Interviews ein bisschen zu blasiert, gestriegelt und von seiner Agentur auf bestimmt Dinge hin, sagen wir mal, erzogen. Es ist aus seinen Aussagen und seinem Auftreten nicht wirklich ersichtlich, ob er sich tatsächlich als beides fühlt. Aber eigentlich ist diese Aussage schwer zu treffen, denn da müsste man wieder ganz von Vorne beginnen. Was ist denn nun wirklich männlich? Und sage ich das oder sagt mir das die Gesellschaftsmeinung? Und überhaupt kann dies über die Kleidung schon seit längerem nicht mehr definiert werden. Männliche Jacken bekommen häufiger einen Taillenschnitt und bei den Frauen (hier noch viel offensichtlicher) werden schon seit einigen Jahren kastenförmige Kleider, Mäntel und Oberteile oder betonte Schultern entworfen.
                                                 Bei Jean-Paul Gaultier war Pejic sogar die Braut im Abschlusskleid.
Jürgen Teller fotografierte Pejic im Februar für das Zeit-Magazin in Frauenkleidern. Mir gefiel die Idee, ein männliches Model in Frauenkleidern zu zeigen, aber ohne verstellte Posen. Auf einigen  Bildern wirkt das mädchenhafte, pseudoweibliche Getue jedoch einfach nur falsch. X-Beine, unterwürfiger Blick,  das erinnert mehr an Travestie, als an ein Model, das wirklich sowohl Mann, als auch Frau sei.
Leonardo Da Vinci, La Gioconda (Monna Lisa, 1503-1506)
Aber was sagt das nun aus? Nimmt die Mode da etwas vorweg, das sich auch in unserer Gesellschaft abspielen wird? Ich glaube nicht, dass es in den nächsten Jahren außerhalb der Modewelt dazu kommen wird, tatsächliche Ähnlichkeiten zwischen Mann und Frau zu sehen. Dafür ändert sich das gewünschte Frauen- und Männerbild zu schnell. Gerade wurde in der SZ die Wiederkehr der männlichen Männer à la Mad Men gefeiert. Ein Artikel, den auch ich sofort unterschreiben würde, mmh. Andererseits ist vielleicht gerade dies die Aussage, dass es ein bestimmtes Bild nicht gibt, sondern viele. Immerhin ist die Geschlechterdebatte eine sehr alte. Im Magazin erwähnt Tilmann Prüfer außerdem die Debatte, ob denn nun die Mona Lisa eine Frau oder doch Leonardos Schüler Gian Giacomo Caprotti war.
Very Confusing das alles.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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